Über mich & dieses Projekt
Warum ich seit über zehn Jahren Nachrichten-Schlagzeilen sammle – und was die Daten über unsere Aufmerksamkeit verraten.
Zwischen Krisenmodus, willkommener Ablenkung und „Don’t Look Up“
Nachrichten begleiten uns seit jeher durch den Alltag. Sie informieren über politische Umbrüche, Kriege und Wahlen. Gleichzeitig liefern sie uns die willkommene, fast schon tröstliche Routine der Ablenkung: Den nächsten Bundesliga-Spieltag, Transfergerüchte, Promi-Meldungen oder das tägliche Geplänkel von Parteispitzen.
Doch je länger ich diesen täglichen Nachrichtenstrom beobachtet habe, desto stärker drängte sich mir die Frage auf: Wie verteilt sich unsere kollektive Aufmerksamkeit eigentlich wirklich? Welche Themen verdrängen einander und worüber schweigen wir mehr oder weniger kollektiv?
Ein starker persönlicher Anstoß, dieses Headline-Archiv um das Klima-Radar zu erweitern, waren unter anderem die Vorträge des Kriminalbiologen Mark Benecke („Time is up“)↗. Seine nüchterne, datengestützte Bestandsaufnahme zeigt unmissverständlich, wie dramatisch sich die biophysikalischen Kipppunkte unserer Erde verschieben – während unsere mediale Öffentlichkeit in weiten Teilen wie im Film „Don’t Look Up“ verharrt: Gefühlt fasziniert oder mindestens hochgradig abgelenkt vom tagespolitischen Kleinkrieg, gelähmt bei existentiellen Fragen.
Ich wollte diese Diskrepanz nicht länger nur als diffuses Bauchgefühl mit mir herumtragen. Mein Ziel war es, sie empirisch, transparent und neutral an echten Schlagzeilen messbar zu machen.
Ein Hobbyprojekt mit Pentaho & Word-Clouds (ab 2015)
2015 startet das Medienprojekt als neugieriges Datenanalyse-Hobby an Wochenenden, entwickelte dann schnell eine gewisse Eigendynamik. Damals baute ich mit Pentaho Data Integration (Kettle) und Jekyll meine ersten automatisierten ETL-Pipelines auf, sammelte RSS-Feeds führender deutscher Medien und wertete in einer ersten großen Analyse 226.349 Schlagzeilen über interaktive Word-Clouds aus.
Bereits die allerersten Datenläufe von 2015 hielten mir den Spiegel vor:
Die Wortwolken wurden von akuten politischen Zerreißproben („Flüchtlinge“, „Griechenland“) und dem Dauergast „Fußball / Bayern“ dominiert. Ereignisse von historischer planetarer Tragweite – wie das im Dezember 2015 geschlossene Pariser Klimaabkommen oder das damals laufende Super-El-Niño-Ereignis tauchten in der Gesamtwahrnehmung deutscher Schlagzeilen wenig bis kaum auf.
Aus dieser Erkenntnis heraus habe ich die Methodik zwischen 2017 und 2021 schrittweise vertieft und eigene linguistische Verfahren entwickelt:
Eigene Stoppwort-Filter
Entwicklung maßgeschneiderter Filter zur Beseitigung von Redaktionsfloskeln, Teasern und Formatresten, um den semantischen Kern deutscher Substantive sauber freizulegen.
Agency- & Rollenanalyse
Wer handelt aktiv, wer ist nur Objekt? Heuristische Regeln analysieren die Satzstellung und Folgeverben, um Handlungsdruck und Rollenmuster von Politikern zu beziffern.
31.000+ Tonalitätswörter
Aufbau eines handgepflegten deutschen Bewertungswörterbuchs für nachvollziehbare Tonalitätsmessungen – transparent, auditierbar und frei von undurchsichtiger KI-Willkür.
Dann lief es technisch alles nicht mehr einwandfrei und die Zeit fehlte mir. Die Kids sind nun schon größer und die technischen Möglichkeiten heute wie ihr wisst, maßlos. So entschied ich mich, das ganze wieder aufleben zu lassen.
Heute: Lookup-Media (2026)
Was vor über zehn Jahren auf meiner lokalen Festplatte begann, umfasst heute ein Archiv von über 1 Million strukturierten Schlagzeilen. Um diese Datenmengen blitzschnell und interaktiv zugänglich zu machen, basiert die Plattform heute auf einem modernen, schlanken Stack:
Analytisches Archiv für historische Epochen-Vergleiche (2017–2019 vs. 2026).
Täglich synchrone, automatisierte RSS-Verarbeitung führender deutscher Leitmedien.
Höchste Performance, Offline-First Daten-Snapshots, 100% frei von Trackern oder Werbung.
Ob im Klima-Radar, im Epochen-Shift oder im Parteien- und NewsRadar: Der methodische Kern bleibt immer derselbe.
Dieses Projekt kann mein persönlicher Beitrag zu einer aufgeklärten, medienkompetenten Öffentlichkeit sein oder einfach nur ein Hobby, das nur mir hilft, aktuelle Nachrichtenströme, Themen und linguistische Spielerein in News-Headlines zu analysieren. Ich bin mit beidem fein. Freue mich, wenn es dir gefällt und hilft.
Nimm gerne Kontakt auf, falls du Fragen hast oder dich einfach nur austauschen möchtest.